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Der Deutsche Orden auf Pinterest

Pinterest: Trivial-Historiographie-Generator oder Content-Management-System für Geschichtsbebilderungen und -bilder?

Pinterest ist eine Plattform, die im Großen und Ganzen eher mit Hochzeitsvorbereitungen, Reisebildern und DIY-Anleitungen assoziiert wird. Warum also hier überhaupt nach Geschichte suchen? Die pragmatische Antwort: Weil eben auch – überraschenderweise – auf Pinterest Geschichte in verschiedenen Darstellungsformen zu finden ist. Im Vergleich zu anderen Plattformen, wie Facebook oder Twitter, bietet Pinterest jedoch wahrscheinlich eher kleinere Nischen für Geschichtsproduktionen. Angesichts der hohen Nutzerzahlen der Plattform (vgl. https://en.wikipedia.org/wiki/Pinterest) dürften doch aber auch hier viele Menschen mit Geschichte in irgendeiner Form in Kontakt kommen. Pinterest ist eben eine Ausdrucksform der „Historiocopia“, das ist „the multi-media, multi-platformed way that history is engaged with and consumed“ (De Groot, S. xvi). Fazit: Auf Pinterest wird in verschiedenen Formen Geschichte geschaffen und behandelt. Viele Menschen kommen damit in Kontakt, also sollte man sich mit dieser Form der Geschichtsproduktion auch einmal wissenschaftlich befassen. 

Überdies scheint es ein recht unbehandeltes Feld zu sein. Abschließende Antworten sind daher hier nicht zu finden. Viele der folgenden Aspekte sind nur erste Impressionen, durch die das Phänomen „Geschichte auf Pinterest“ podestiert und eine Diskussion angeregt werden soll. Es soll dabei geprüft werden, ob die hier gestellten Fragen von allgemeinerem Interesse für eine Digitale Public History sein könnten, oder ob nur Nischeninteressen bedient werden. Das alles soll anhand des Fallbeispiels des Deutschen Ordens geschehen, über das für eine richtige Einordnung aber zuweilen natürlich auch hinausgegangen werden muss, indem allgemeinere Phänomene (z.B. medievalism) angesprochen werden.

Was ist Pinterest eigentlich genau?

„Pinterest ist eine Online-Pinnwand für Grafiken und Fotografien mit optionalem sozialen Netzwerk mit visueller Suchmaschine“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Pinterest). Mittlerweile finden sich hier auch Videos und animierte GIFs. Man kann auch eigene Bilder hochladen. Registrierte Nutzer_innen können sich mit diesen Bildern („Pins“) öffentliche oder geheime „Pinnwände“ erstellen, und andere Nutzer können diese Bilder ebenfalls teilen („repinnen“) und kommentieren. User können anderen Usern folgen und auch deren Pinnwänden. Daraus speist sich dann der home feed. Das ist eine Sammlung von Pins auf der Startseite, die sich aus Pinnwänden und Topics, denen man folgt, generiert. Damit sollen dem User Anregungen für weitere Ideen aus seinem Interessenspektrum gegeben werden – ein nicht unwichtiger Aspekt, auf den weiter unten noch zurückgekommen wird. 

Pinterest ist also eine bildlastige Plattform. Doch auch bei den Bildern muss man differenzieren: Neben reinen Abbildungen (Zeichnungen, Graphiken, Gemälden, Fotos etc.) finden sich auch zahlreiche Memes. Memes bilden eine Geschichtssorte (zum Konzept vgl. Logge) eigenen Rechts, die einmal separat behandelt werden muss. Darüber hinaus sind manche Bilder auch mehr Werbeträger für Links, um die User auf externe Webseiten hinzuweisen. Die Idee der Sache ist wahrscheinlich Fluch und Segen zugleich: Bilder werden dem ursprünglichen Kontext entnommen und immer wieder neu – den eigenen Wünschen und Interessen entsprechend – kontextualisiert durch das Anheften auf neuen Pinnwänden. Das alles geschieht aber eben ohne Anwendung der historisch-kritischen Methode, die den Ursprungskontext einbezieht.

Über die Nutzung von Pinterest gerade in Bezug auf Geschichts-Content ist mir nichts bekannt. Eine erste Sichtung, bei der eben der Deutsche Orden im thematischen Fokus stand, offenbarte einige Heavy User, die ganze Pinnwände mit hunderten Bildern füllen und thematisch sortieren bzw. teilweise sogar eher kuratieren und auch eine entsprechend große Followerschaft haben. Das kann mitunter eine beachtliche thematische Breiten- und Tiefenerfassung zum Ergebnis haben. Häufiger sind aber wohl eher Gelegenheitssammler_innen, die assoziativ sie (emotional) ansprechende Bilder zusammenstellen. Gerade hier entsteht durch die Kombination von Bildern auf einer Pinnwand und allen Pinnwänden des spezifischen Users zusammen eine Geschichtsdarstellung, die wahrscheinlich nicht weit entfernt von seinem bzw. ihrem Geschichtsbild ist. Aber das muss natürlich eine Vermutung bleiben.

Daneben gibt es offenbar nicht wenige Tattoofreunde und -freundinnen, die auf der Suche nach Inspiration für ein Motiv sind, das Geschichte, Weltdeutung und Außenwirkung den eigenen Anschauungen nach kombinieren soll. Ähnliches dürfte wohl auch für die Angebote der zahlreichen Online-Shops mit Bekleidung und Aufklebern gelten, die – wie die Tattoo-Künstler – auch die Kreuzzüge und die geistlichen Ritterorden (vorwiegend die Templer) für eine bestimmte Zielgruppe entdeckt haben und Geschichte so kommodifizieren.

Was findet man also auf Pinterest zum Deutschen Orden?

Von den geistlichen Ritterorden findet sich auf Pinterest, wie schon angedeutet, viel zu den Templern, aber auch nicht wenig zum Deutschen Orden. Der Deutschen Orden selber bietet auf seinen Pinnwänden eine hochwertige Bildauswahl (viel frühneuzeitliches). Auch Krystyna Jarosławska bietet eine beeindruckend kuratierte Seite mit vielen Bildern zum Deutschen Orden, die auch für die Bebilderung von zukünftiger Lehre und zukünftigen Vorträgen einige Inspiration für viele liefern dürfte. (vgl. https://www.pinterest.de/teutonicorder/_saved/ , https://www.pinterest.de/krysiaida/_saved/).

Ansonsten finden sich zum Deutschen Orden vornehmlich Einzelbilder in „Gemischtwaren-Sammlungen“ oder Sammlungen mit Bildern, wie ich sie beispielhaft zur Anschauung auf einer Seite zusammengesammelt habe (https://www.pinterest.de/sebastiankubon/deutsche-orden-festschrift/). Es finden sich dabei viele Kombinationen mit Motiven von Templern, Kreuzzugsthemen generell und Mittelalterassoziationen im Allgemeinen. Offenbar eignet sich Pinterest auch optimal für Heraldik-Liebhaber und für Karten-Aficionados, wobei die Karten häufig Truppenbewegungen und Schlachtaufstellungen zum Inhalt haben. Gerade hier finden sich viele Abbildungen der Banner des Deutschen Ordens sowie Karten, die die Schlacht bei Tannenberg/Grunwald 1410 betreffen.

Es fällt bei den Bildern, die Aspekte der Deutschordens-Geschichte darstellen sollen, vor allem eine Art „Eisenstein-Airbrush-Ästhetik“ (angelehnt an den Film Alexander Newski) bei den Bildern auf, die die kämpfenden Ritter des Deutschen Orden ins Zentrum stellt. Man sieht sie ausschließlich mit aufgesetztem Helm, wodurch sie entinvidualisiert werden. Sie kommen immer viril-muskulös daher. In aller Regel werden die Ritter beim Kämpfen in glänzender Rüstung abgebildet. Der obligatorische weiße Mantel mit schwarzem Kreuz wirkt auf jedem Bild wie frisch aus der Reinigung. Alles in allem findet sich so ein sehr konventionelles und konservatives Bild von der Ordenskorporation, die im Kampf ihre (einzige) Bestimmung gefunden habe. Sehr viel mehr Variantenreichtum in der Bebilderung des Deutschen Ordens ist kaum zu finden.

Ritterorden, Kreuzzüge und Mittelalter auf Pinterest

Man erkennt deutlicher, in welche Richtung diese Bebilderung gedeutet werden kann, wenn man den Kontext einbezieht, d.h. die Bilder, die von Ritterorden, Kreuzzügen und Mittelalter im Allgemeinen auf Pinterest zu finden sind. Um das Ergebnis an den Anfang zu nehmen: Auf Pinterest finden sich vornehmlich Bilder, die ein dunkles Mittelalter propagieren. Kampf, Tod und Folter (es gibt eine eigene Suchkategorie „Foltermethoden“) bestimmen die Welt des Pinterest-Mittelalters. Kampfbilder sind in der Überzahl: hypermaskuline Männer und Waffen stehen im Mittelpunkt.

Frauen spielen im Mittelalterkosmos von Pinterest eigentlich nur dann eine Rolle, wenn es um materielle Kultur und DIY-Gewandung geht. Sonst finden sich Frauen allenfalls in knappen Rüstungen als Männerphantasien abgebildet.

Darüber hinaus wird ein christlich-kämpferisches Mittelalter verbreitet. In Kontexten, die die Kreuzzüge betreffen, ist dann teilweise sehr deutlich der Islam als Gegner benannt. Der Ausruf „Deus Vult“ findet sich vielfach in unterschiedlichen Verwendungen – sei es als Stoßstangenaufkleber, sei es auf gezeichneten Kampfbildern – eine dog whistle für die (neu)rechten Zielgruppen. Insgesamt findet sich also vielfach ein christlich-fundamentalistisches Mittelalterverständnis, das sich manchmal direkter, manchmal indirekter gegen den Islam richtet. 

Das auf Pinterest sich in der Kombination der Mehrzahl der Bilder manifestierende Mittelalterbild ist, wenig überraschend, auch sehr weiß. Wobei man jedoch auch, wenn man danach sucht, auf POC im Mittelalter stößt. (Man findet Bilder der hochwertigen Seite: https://medievalpoc.tumblr.com.) Es gibt also auch vereinzelt progressive Elemente, die gängige Vorstellungen brechen können! Insgesamt fördern die vorhandenen Bilder aber die Vorstellungen von einem weißen, christlichen, patriarchalischem Mittelalter, in dem der Kampf gegen Andersgläubige an der Tagesordnung ist. Damit haben wir ein Mittelalterbild, das insbesondere in rechten Kreisen viel Wohlwollen erfährt (vgl. Kaufman/Sturtevant und Elliott sowie https://www.publicmedievalist.com).

Es gibt aber auch Versandhändler mit Bekleidung, die unter Rekurs auf das Mittelalter unverhohlen rassistische Motive zum Kauf anbieten. Die Bilder bestehen in der Regel aus kämpfenden und betenden Templern. Auf den Aufdrucken steht dann bspw.: „Time for another crusade“, „Defending christianity since 1096“. Es gibt darüber hinaus Bild- und Textkombinationen, die suggerieren, dass das Christentum in der DNA von Menschen angelegt sei oder eben nicht. Sprechend ist schon der Name eines auf Pinterest prominent vertretenen Versandhändlers mit ebensolchem Sortiment, s. Link unten, der die Jahreszahl 1776 (Loslösung der nordamerikanischen Kolonien von Großbritannien) in der Adresse hat. Diese Jahreszahl wurde zuletzt u.a. von US-Präsident Donald Trump als Chiffre für die in den USA aus seiner Sicht zu lehrende „patriotische Bildung“ gebraucht, die sich insbesondere gegen die (verstärkte) Einbeziehung der Geschichte von BIPOC in den USA richtet (vgl. https://www.tagesschau.de/ausland/trump-patriotismus-kommission-101.html.)

Ein konservatives bis extremrechtes Pinterest-Mittelalter?

Man kann vermuten, dass gerade solche Bilder es schaffen könnten, besonders männliche Jugendliche, die für manichäische Weltbilder empfänglich sind, emotional zu bewegen. Alles in allem deutet viel darauf hin, dass es ein leichtes ist, sich aufgrund der auf Pinterest zu findenden Bildern ein Mittelalter- und ein Geschichtsbild zu fabrizieren, das dem des 19. Jahrhunderts ähnelt: Männer machen Geschichte. Kampf, Schlachten und Blut entscheiden den Lauf der Weltgeschichte. Auf Pinterest kommt ein im besten Fall neopositivistisches Geschichtsverständnis zum Ausdruck, dass sich in „klassischen“ Beständen der Geschichtswissenschaft austobt. Vielleicht hat Pinterest aber noch mehr Ähnlichkeiten zur vormodernen Geschichtskunde, in der mehr auf eine Idee hin gesammelt und weniger Reflexion angestrebt wurde. Aber das sind Fragen, die noch weiter im Detail durchdacht werden müssen, wenn man weitere Fallstudien zu Geschichte auf Pinterest durchgeführt hat.

Man kann angesichts des auf Pinterest zu findenden teils rassistischen Mittelalter-Contents nur hoffen, dass der am Anfang von den Erfindern erhoffte Aktivierungscharakter („The creators behind Pinterest summarized the service as a „catalogue of ideas“ that inspires users to „go out and do that thing““ (https://en.wikipedia.org/wiki/Pinterest)) in diesem Bereich nicht in die Realität umgesetzt wird. Hinsichtlich der eher rechten Geschichtsbilder zum Thema Mittelalter und Kreuzzüge wäre das im schlimmsten Fall fatal. Dass sich Menschen auch durch eine radikale Interpretation von mittelalterlichen Geschichtsversatzstücken radikalisieren lassen, ist spätestens seit Breivik oder der Terrortat von Christchurch bekannt. Eine Radikalisierung über Pinterest ist wohl nicht wahrscheinlich, aber auch nicht gänzlich auszuschließen.

Wozu kann man Pinterest nun gebrauchen?

Man kann das ganze pragmatisch angehen und Pinterest als Bilderfundgrube nutzen. Zudem leiten viele Bilder auf externe Seiten. Hier fanden sich zum Thema Deutscher Orden hauptsächlich Doing History-Projekte und Reenactment-Gruppen, deren Präsenzen sonst wahrscheinlich kaum zu finden wären.

Man kann Pinterest aber auch als Plattform für Geschichtsbebilderungen und -bilder betrachten, die hier im wahrsten Sinne des Wortes collagiert werden. Die Nutzung ist schwierig, da die Aussagekraft nicht ohne viele Vermutungen zu bestimmen ist, da von der bloßen Sammlung keine unmittelbare Verbindung zum Geschichtsbild des sammelnden Users zwingend zu ziehen ist. Assoziationsketten jedoch lassen sich auf jeden Fall nachvollziehen.

Es ist darüber hinaus fraglich, welche Rolle der Algorithmus spielt, der Bildvorschläge u.a. im home feed zusammenstellt. Jedes Merken von bestimmten Bildern führt offenbar zu verstärkenden Effekten, sodass der einmal eingeschlagene Suchweg immer breiter wird und es immer schwieriger ist, einen anderen, abweichenden Trampelpfad zu nehmen. Es erinnert an den von Zeynep Tufekci beschriebenen YouTube-Effekt, die eine Radikalisierung der Inhalte bei fortschreitender Verweildauer festgestellt hat, um die Leute auf der Video-Plattform zu halten. Das führt wohl auch bei Pinterest zu einer Verstärkung der eigenen Vorstellungen bei der Suche: Wer an ein viriles, weißes, christliches, dunkles, kämpfendes Mittelalter denkt, der bekommt es auch und zwar im Übermaß. Nur wer sich z.B. die Existenz von POC im Mittelalter überhaupt vorstellen kann und danach explizit sucht, findet sie auch.

Das war eben die Analyseebene. Auf einer Produktionsebene wäre Pinterest vielleicht ein Betätigungsfeld für Public Historians, um Geschichte an Leute zu vermitteln, die sie an den üblichen Orten sonst nicht so leicht antreffen würden. Man kann sich hier aber natürlich auch versenden. Das müsste man aber in Praxisprojekten erproben. Man könnte selber Geschichtsbilder zusammenstellen und virtuelle Ausstellungen fabrizieren. Hier müsste man einmal interessante Projekte erdenken und erproben.

Pinterest: Geschichte oder Sammlung von Artefakten der Erinnerung?

Spätestens an dieser Stelle muss gefragt werden, ob auf Pinterest eigentlich tatsächlich Geschichte zu finden ist oder nur eine Art Sammlung von Artefakten der Erinnerung? Dadurch dass die Bilder immer wieder menschlich oder durch einen Algorithmus neu geordnet werden, wird aus den einzelnen Bildern und vor allem in ihrer Kombination Geschichte konstruiert. Wahrscheinlich werden aus lockeren Assoziationsketten meist nur triviale Populärhistoriographien hergestellt, aber auch das dürfte man als eine Konstruktionsleistung bewerten können.

Ist aber Pinterest selbst nun eigentlich eine Geschichtssorte (nach Logge) oder eher eine Plattform, eine Agora für verschiedene Geschichtssorten? Wahrscheinlich sowohl als auch. Einerseits ist Pinterest als Plattform konzeptioniert, auf denen verschiedene Geschichtssorten wie Bilder, Memes und Videos öffentlich gemacht werden sollen. Durch den home feed, der von bisherigen Interessen und Suchanfragen des Nutzers bestimmt ist, wird die Pinterest-Startseite aber auch zu einer Art Trivial-Historiographie-Generator und somit zu einer Geschichtssorte. Die einzelnen Pinnwände eines Users als auch dessen Pinnwände in Kombination sind wohl geronnenes Content Management von Geschichtsbildern bzw.-bebilderungen. Auch die einzelnen Pinnwände eines Nutzers, einer Nutzerin, auf denen verschiedene Geschichtssorten sortiert werden können, dürften daher als Geschichtssorte eigener Gestalt betrachtet werden können. Aus einzelnen Geschichtssorten (z.B. Bildern) wird durch einen Emergenzeffekt eine neue Geschichtssorte: Die Pinterest-Pinnwand. Und bei der Kombination der Pinnwände eines User entsteht durch einen weiteren Emergenzeffekt die „Meta-Pinnwand“ als weitere Geschichtssorte. Letztlich kann man Pinterest, um die Eingangsfrage aufzugreifen, sicherlich mindestens als Trivial-Historiographie-Generator bezeichnen UND als Content-Management-System für Geschichtsbebilderungen und -bilder. Das hängt jedoch von der individuellen Nutzung ab und von der Fragestellung, die man bei der Analyse ggf. verfolgen möchte.

Ausblick

Das alles sind aber nur erste Impression zum Bild des Deutschen Ordens im Speziellen und des Mittelalters im Allgemeinen auf Pinterest sowie erste Thesen dazu, wie Geschichte im Ganzen auf Pinterest stattfindet. Als nächster Schritt wäre es notwendig, sich weitere thematische Felder im Detail anzuschauen: Wie wird der Zweite Weltkrieg auf Pinterest behandelt, wie die Wehrmacht oder wie der amerikanische Bürgerkrieg etc.? Gerade hier finden sich ja hart umkämpfte Schlachtfelder in der Auseinandersetzung um Geschichtsinterpretationen, – mythen und -propaganda. Manche Suchworte sind jedoch – wohl aus gutem Grund – gesperrt, aber vielleicht haben hier die interessierten Nutzer ja Workarounds gefunden, die umso aufschlussreicher wären. Weitere offene Fragen betreffen die Kommodifizierung von Geschichte auf Pinterest oder die Rolle von Emotionen. Weiter müsste man sich ansehen, welche Rolle Memes (vgl. von Gehlen) und GIFs (vgl. Baumgärtel) auf Pinterest spielen. Welche Rolle spielen eingebettete Videos (vgl. Bunnenberg/Steffen)? 

Es wäre insgesamt aufgrund der prominenten Stellung von Bildern auf Pinterest notwendig, die Forschungsergebnisse der Visual History (vgl. zum Einstieg Paul) sowie Kunsthistoriker_innen in die Diskussion einzubeziehen. Es wäre zudem wichtig, technische Fragen zu klären: Wie sichere ich Pinnwände als Ergebnisse von Pinterest eigentlich am besten, wenn man eine Lösung finden will, die über Screenshots hinausgehen soll? Die Personennetzwerke der Followerschaften und die Umgebung der einzelnen Pinnwand wird damit nicht abgebildet. Lösungen, wie es sie in Form von Twarc oder Twint für Twitter gibt, wären sicherlich wünschenswert. Überhaupt müsste auch einmal systematisch geprüft werden, welchen Einfluss der Algorithmus hat. Abschließend muss also konstatiert werden, dass diese Überlegungen mehr Fragen und Thesen als Antworten produziert haben. Aber das sollte vielmehr als Aufforderung verstanden werden, sich mit dieser Plattform weiter auseinanderzusetzen. Pinterest scheint sich auch für Historiker_innen zu lohnen…

Quellen und Literatur (Links, wenn nicht anders vermerkt: letzter Zugriff 11.11.2020)

Version 1.0 (15.11.2020)

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